Zusammen mit seinem Bruder Anton trat er in den 1770'er Jahren bei den concerts spirituels auf. Den Sommer des Jahres 1772 verbrachte Stamitz im Schloss Versailles und schrieb dort die erste von mehreren Programmsinfonien, La promenade royale. Auch wandte er sich - von Haus aus eigentlich Violinist - in Paris der Bratsche und der Viola d'amore zu und unternahm als Virtuose dieser Instrumente ausgedehnte Konzertreisen. Ab dem Jahr 1777 führte Stamitz das unstete Wanderleben eines reisenden Virtuosen. Belegt sind längere Aufenthalte in London (1777-80), wo er oft zusammen mit Johann Christian Bach konzertierte, in Den Haag (1779 u. 1782-84), wo er am 23. November 1783 bei einem Konzert am Hofe Wilhelms V. von Oranien zusammen mit dem jungen Ludwig van Beethoven am Klavier auftrat, und in Amsterdam (1782 und 1783). Weitere Reisen führten Stamitz nach Hamburg, Lübeck (1785), und Magdeburg (1786) dann nach Leipzig und Berlin, wo er am 19. Mai 1786 nachweislich an Hillers berühmter Aufführung von Händels "Messias" teilnahm. In Berlin soll Stamitz einen Exklusivvertrag mit dem preußischen König unterzeichnet haben. 1788 und 1789 wirkte Stamitz in Kassel, wo er für kurze Zeit die Leitung der "Liebhaberkonzerte" übernehmen konnte. Nach seiner Heirat mit Maria Josepha Pilz übersiedelte die Familie nach Greiz im Vogtland. Die Geburt eines Sohnes und einer Tochter sowie die schwache Gesundheit seiner Frau erschwerten zunehmend Stamitz' Reisetätigkeit; ein Gesuch um eine feste Anstellung am Hofe des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin blieb jedoch ohne Erfolg. Am 12. November 1792 organisierte Stamitz ein Konzert mit eigenen Werken in dem von Goethe geleiteten Weimarer Hoftheater; am 19. März 1793 ein weiteres in Leipzig, doch auch seine dortigen Bemühungen um eine feste Anstellung blieben erfolglos. Ende 1794 ließ er sich in Jena als Kapellmeister der Universität und Lehrer nieder. In Jena lebte er in ärmlichen Verhältnissen und machte hohe Schulden. Keines seiner vier Kinder erlebte das Erwachsenenalter. In seinen letzten Lebensjahren trug sich Stamitz mit großen Kompositionsplänen und beschäftigte sich mit Versuchen der Goldmacherei. Im Nachlass befand sich eine umfangreiche alchimistische Bibliothek. Acht Monate nach dem Tod seiner Frau, am 9. November vor zweihundert Jahren starb der einst gefeierte Virtuose krank, vereinsamt und verarmt in Jena. Zur Begleichung der Schulden sollte 1810 sein gesamter Musikaliennachlass versteigert werden, es fand sich jedoch kein Kaufinteressent. Der umfangreiche, durch eine gedruckte Auktionsliste dokumentierte Bestand gilt seither als verschollen.


Meinungen von Zeitgenossen zu Stamitz:
"Mit welcher außerordentlichen Kunst und Fertigkeit er nun auf der Bratsche conzertirt, mit welchen himmlisch-süßen Tönen und Gesängen er mit seiner Viol d'Amour die Ohren bezaubert und mit welchem Feuer, mit welcher Thätigkeit er als Anführer die Violine traktirt; davon sind seitdem Berlin, Dresden und mehrere Residenzen und große Städte Zeugen gewesen." (Ernst Ludwig Gerber, Musikgelehrter und Biograf, 1790)

Literaturhinweise zu Stamitz:
Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Mannheimer Hofkapelle im Zeitalter Carl Theodors, 1992
Hans-Heinrich Eggebrecht: Mannheimer Stil - Technik und Gehalt, in: Sinn und Gehalt, 1979

CD-Tipp zu Stamitz:
Klarinettenkonzerte Nr. 1 u. 7, Konzert in B für Bassetthorn, Konzert in B für Klarinette & Fagott: mit Sabine Meyer (Klarinette, Bassetthorn), Sergio Azzolini (Fagott), Academy of St. Martin in the Fields, Iona Brown, 1994; EMI

Carl Stamitz wurde am 8. Mai 1745 in Mannheim auf den böhmischen Namen Karel Filip Stamic getauft. Den ersten Musikunterricht erhielt er bei seinem Vater; nach dessen Tod übernahmen die "Mannheimer" Ignaz Holzbauer, Christoph Cannabich und Franz Xaver Richter die Ausbildung. Von 1762 bis 1770 spielte Carl Stamitz in der Mannheimer Hofkapelle die zweite Geige, lernte dabei das Repertoire dieses renommierten Klangkörpers kennen und eignete sich eine ausgezeich-nete Instrumentaltechnik an, die ihm später eine Karriere als reisender Virtuose ermöglichte. Die Komponisten, die unter dem pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor (1742-1799) in der Mannheimer Hofkapelle wirkten, entwickelten einen eigenstän-digen vorklassischen Instrumen-talstil. Kennzeichen der "Mannheimer Vorklassik" sind ein eher homophoner Satz, kontrastierende Themenge-staltung sowie die Verwendung idiomatischer Melodiefloskeln und spezifischer dynamischer Effekte (etwa die "Mannheimer Rakete", ein sich rasch stei-gernder Crescendo-Ausbruch). Die Mannheimer Hofkapelle war nicht nur das modernste, sondern auch wegen seiner außergewöhnlichen Größe und Qualität in ganz Europa geschätzte "Orchester", von dem auch Mozart bei seinen häufigen Reisen dorthin sehr beeindruckt war. 1771 trat Stamitz in Paris als Komponist und Dirigent in die Dienste des Herzogs Louis von Noailles.

Carl Stamitz (1745-1801)

...gehört als ältester Sohn des in Mannheim tätigen böhmischen Komponisten und Violinvirtuosen Johann Wenzel Anton Stamitz (1717-1757) zur zweiten Generation der sogenannten Mannheimer Schule, als deren Gründer sein Vater galt. Ein weiteres bekanntes Mitglied der Musikerdynastie Stamitz ist sein jüngerer Bruder Johann Anton Stamitz (1754-1809), der ebenfalls Komponist und Violinist am Mannheimer Hof war und auf Konzertreisen oft zusammen mit seinem Bruder auftrat.